Eine Kritik an der Sichtweise mancher Anspruchsteller religiöser Aufklärung
(Auf der Grundlage deduktiven und induktiven Argumentierens)
Autor: Abdul Basir Sohaib Siddiqi
Übersetzung: Tahleel Team
Veröffentlichungsdatum: 10.11.2025
Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen
Eine Kritik an der Sichtweise mancher Anspruchsteller religiöser Aufklärung
(Auf der Grundlage deduktiven und induktiven Argumentierens)
Übersetzung, Kürzung und Synthese von: Abdul Basir Sohaib Siddiqi.
Quellen und Referenzen:
Philosophie des Abendlandes von Bertrand Russell (History of Western Philosophy) und Philosophische Grundbegriffe von Rafael Ferber (Rafael Ferber).
Abschnitt: Eins (Erster)
Wichtiger Hinweis
Diese Diskussion – betitelt „Die Sichtweise mancher Anspruchsteller religiöser Aufklärung“ – ist auf deduktive und induktive Argumentation gestützt und verwendet Material aus Bertrand Russells Philosophie des Abendlandes (History of Western Philosophy) sowie Rafael Ferbers Philosophische Grundbegriffe.
Um eine bestimmte Art von Sichtweise mancher Anspruchsteller religiöser Aufklärung zu kritisieren – die einige offenbarte Lehren des Edlen Korans unter Bezug auf naturwissenschaftliches Wissen kritisieren, obwohl ihre Kritik selbst mit naturwissenschaftlichem Wissen und naturwissenschaftlichen Daten in Konflikt steht und letztlich mit naturwissenschaftlicher Logik bzw. induktiver Argumentation – ist es notwendig, den Fokus auf die Logik der Wissenschaft, also auf das induktive Argument, zu legen; man muss die Logik der Wissenschaft bzw. das induktive Argument kennen, das die Logik der Induktion ist.
Der Fokus auf induktive Logik bzw. das induktive Argument verlangt zugleich, deduktive Sätze in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken.
Es ist besser, mit der Deduktion bzw. dem deduktiven Argument zu beginnen.
Deduktives Argument
In diesem Zusammenhang sollte – gestützt auf die Darlegungen in Bertrand Russells Geschichte der westlichen Philosophie – kurz fokussiert werden.
Das deduktive Argument in der Geschichte des antiken Griechenlands geht auf die geistigen und logischen Arbeiten Aristoteles’ zurück, der hierin erstmals hervortritt und herausragend ist.
Das deduktive Argument ist im Rahmen der formalen Logik bei Aristoteles bemerkenswert, denn eben diese formale Logik beeinflusste das Wissen seiner Zeit und späterer Epochen, während Platon in der Metaphysik die Prominenz für sich beanspruchte.
Im Verlauf der Gedankenentwicklung nach Platon bis zur Renaissance hielt Aristoteles – neben der formalen Logik – auch in der Metaphysik einen überragenden Rang; nach der Renaissance verlor er diesen Rang in der Metaphysik, doch in der formalen Logik blieb seine Stellung lange unangefochten.
Das deduktive Argument, das im Gewebe der formalen Logik erörtert wird, trägt auch den Namen Syllogismus (Syllogism, Syllogismus). Das heißt: Syllogism = Deductive Argument = استدلال قیاسی.
Ein deduktives Argument hat drei wesentliche Teile:
- Obersatz (Major Premise).
- Untersatz (Minor Premise).
- Schluss (Schluss, Conclusion).
Der deduktive Schluss ist in eine typologische Vielfalt bekannt; seine verschiedenen Arten sind bekannt, und die berühmtesten darunter sind:
- Barbara (Barbara) ist unter allen Arten des deduktiven Arguments berühmt und besitzt besondere Prominenz. Das Argument lautet:
- Obersatz: Alle Menschen sind sterblich.
- Untersatz: Sokrates ist ein Mensch.
- Schluss: Also ist Sokrates sterblich.
Alle Menschen sind sterblich. = Obersatz
Sokarates ist ein Mensch. = Untersatz
Also ist Sokarates sterblich. = Schluss - Der Celaren-Schluss (Celaren).
- Der Darri-Schluss (Darri).
- Der Ferio-Schluss (Ferio).
Die Geschichte des Syllogismus bzw. des deduktiven Arguments zeigt, dass aus einer einzigen Prämisse verschiedene Ergebnisse hervorgehen; die Einzelheiten sind in Aristoteles’ formaler Logik zugänglich und werden in Logikbüchern nachdrücklich erwähnt.
Das deduktive Argument wurde so definiert, dass es den Geist vor Irrtum bewahre.
Doch später wurden im Zuge logischer Bemühungen Einwände gegen das deduktive Argument erhoben, nämlich:
- Formaler Mangel (formal) im inneren Gefüge des deduktiven Systems.
In diesem Fall ist die logische Unterscheidung zwischen Obersatz und Untersatz nicht gemäß den formalen Standards vorgenommen worden.
Zum Beispiel: „Der Satz, dass Sokrates ein Mensch ist“ und „Alle Griechen sind Menschen“.
Der Satz bzw. die Prämisse „Alle Griechen sind Menschen“ enthält eine verborgene, implizite Bedeutung – nämlich, dass Griechen existieren – und ohne diese implizite Bedeutung in Betracht zu ziehen, sind die Syllogismen des Aristoteles der Falschheit geweiht.
Ein weiteres Beispiel, in dem – wird die verborgene Bedeutung nicht berücksichtigt – das deduktive Argument vergeblich ist (während sein inneres Gefüge dies nicht explizit macht), lautet:
„Alle Griechen sind Menschen“ und „Alle Griechen sind weiß“, folglich „Einige Menschen sind weiß“.
Die Richtigkeit und Wahrhaftigkeit dieses deduktiven Arguments beruht auf der Existenz von Griechen; existieren Griechen nicht, verliert dieses deduktive Argument seine Richtigkeit und Korrektheit.
Ein anderes deduktives Argument lässt sich wie folgt bilden, dessen Ergebnis jedoch nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt und lediglich eine gedankliche Angelegenheit ist:
„Jeder goldene Berg ist ein Berg.“ „Jeder goldene Berg ist Gold.“ Folglich: „Einige Berge sind Gold.“
Bei genauer logischer Betrachtung lässt sich der Satz „Jeder Grieche ist ein Mensch“ in zwei andere Sätze zerlegen; dieser Satz besteht aus zwei anderen Sätzen: (1) „Griechen existieren“ und (2) „Dem, dem etwas zugeschrieben wird, ist Grieche.“ Er hat eine konditionale Form, nämlich: „Wenn etwas ist, ist es Grieche.“ In konditionaler Form fehlt diesem Satz – als rein konditionalem – die Fähigkeit, das Bestehen von Griechen zu garantieren.
Ein weiterer präziser Blick auf das deduktive Argument
- Obersatz: „Alle Menschen sind sterblich.“
- Untersatz: „Alle Philosophen sind Menschen.“
- Schluss: „Alle Philosophen sind sterblich.“
Hinsichtlich des deduktiven Arguments sind folgende Punkte zu beachten:
a. Die Wahrheit der Sätze gemäß Regeln und Vorschriften spiegelt sich im Ergebnis; d. h. der Schluss ist ebenfalls korrekt und richtig.
b. Ein richtiger und gültiger Schluss bzw. eine gültige Inferenz in einem deduktiven Argument spiegelt die Wahrheit der Sätze wider; der Schluss bzw. die Inferenz zeigt die Wahrheit der Sätze bzw. Prämissen an.
Zur klaren Einsicht sei noch einmal auf dieses deduktive Argument verwiesen:
„Alle Philosophen sind sterblich.“ – Als Inferenz und Schluss spiegelt dies die Wahrheit der Sätze „Alle Menschen sind sterblich“ und „Alle Philosophen sind Menschen“ wider.
Schließlich kann in einer präzisen und erweiterten Einsicht gesagt werden, dass die Wahrheit des Schlusses und der Inferenz von der Wahrheit der Sätze abhängt, auch wenn beide unterscheidbar sind.
In einem deduktiven Argument hängt in erster Linie die Gültigkeit von der Wahrheit der Sätze ab, die wiederum die Wahrheit des Schlusses bzw. der Inferenz nach sich zieht.
Ein deduktives Argument ist gültig, wenn die Bejahung der Prämissen und die Verneinung des Schlusses einen logischen Widerspruch zwischen Prämissen und Schluss erzeugt.
Ein logischer Widerspruch bezieht sich auf die Negation eines Satzes.
Der logische Widerspruch zwischen den Sätzen und der Inferenz bzw. dem Schluss ist in diesem Beispiel eines deduktiven Arguments deutlich und augenfällig:
„Alle Menschen sind sterblich.“ „Alle Philosophen sind Menschen.“ und als Ergebnis: „Alle Philosophen sind nicht sterblich.“
Der Satz „Alle Philosophen sind sterblich“ und „Alle Philosophen sind nicht sterblich“ verbindet einen Satz mit der Negation eben dieses Satzes. Das bildet einen logischen Widerspruch.
Wenn sich herausstellt, dass „nicht alle Menschen sterblich sind, sondern einige unsterblich“, oder „nicht alle Philosophen Menschen sind, sondern einige Philosophen nicht-menschlich“, wäre das Argument auch gültig, wenn behauptet wird, alle Philosophen seien nicht sterblich.
So ist es klar und offenkundig, dass die logische Gültigkeit eines deduktiven Arguments von der logischen Beziehung zwischen Sätzen und Inferenz bzw. Schluss abhängt und nicht von der Wahrheit.
Der Widerspruch zwischen den Sätzen und das Fehlen von Wahrheit bzw. die Abwesenheit von Wahrheit in der Inferenz ist in diesem deduktiven Argument ausdrücklich:
„Nicht alle Menschen sind sterblich“, „Alle Philosophen sind Menschen“, folglich „Alle Philosophen sind unsterblich.“
Im obigen deduktiven Argument sind Prämissen/Sätze und Schluss unwirklich.
Es ist nicht notwendig, dass ein gültiges deduktives Argument aus zwei Sätzen besteht; es ist möglich, dass ein einzelner Satz eine Inferenz bzw. einen Schluss in sich trägt.
Dazu kann folgendes Beispiel angeführt werden:
„Es macht nichts, dass einige Menschen nicht unsterblich sind“, folglich: „Alle Menschen sind sterblich.“
Unter Berücksichtigung der möglichen Möglichkeiten in der deduktiven Logik bzw. im deduktiven Argument ist ein Argument gültig und besitzt Gültigkeit, wenn die Wahrheit der Sätze notwendigerweise im Schluss bzw. der Inferenz widerscheint und offenbar wird.
Nach den Daten und Ergebnissen logischer Forschung zum deduktiven Argument ist klar und offenkundig, dass die Inferenz bzw. der Schluss nicht notwendigerweise ein Träger oder Spiegel der Wahrheit ist; mit anderen Worten: Die Inferenz bzw. der Schluss ist kein Hüter der Wahrheit.
In einem deduktiven Argument kann sogar die Wahrheit der Sätze eine wahrheitslose oder ungültige Inferenz nach sich ziehen.
Das folgende Beispiel ist hierfür bezeichnend:
„Wenn ein Philosoph das gesamte Gold eines Schatzes besäße, wäre er reich.“ „Kein Philosoph besitzt das gesamte Gold des Schatzes.“ Folglich: „Kein Philosoph ist reich.“
In einem anderen präzisen Modus zeigt sich, dass ein deduktives Argument – selbst mit wahren Sätzen – dennoch an Gültigkeit fehlen kann: nämlich dann, wenn die Wahrheit der Sätze im Schluss bzw. in der Inferenz verneint wird.
Ein deduktives Argument ist ungültig, wenn die Bejahung der Prämissen in der Inferenz verleugnet wird und das argumentative System frei von Widerspruch ist.
Die Negation „Kein Philosoph ist reich“ entspricht „Es ist nicht wahr, dass kein Philosoph reich ist“.
Das Ergebnis lautet: „Einige Philosophen sind reich.“
In diesem deduktiven Argument wird das Fehlen eines logischen Widerspruchs verstanden, dennoch fehlt es weiterhin an Gültigkeit:
„Kein Philosoph besitzt das gesamte Gold des Schatzes“, „Einige Philosophen sind reich.“
Das bedeutet, dass andere mögliche Gründe Philosophen dazu veranlassen können, reich zu werden und als reich zu gelten.
Die Möglichkeit anderer Gründe für den Reichtum von Philosophen macht dieses deduktive Argument ungültig.
Ein erweiterter Blick auf das deduktive Argument: grundlegende Punkte
- Ein deduktives Argument ist entweder gültig oder ungültig. Das heißt, relative Grade der Richtigkeit bzw. Unrichtigkeit eines deduktiven Arguments haben keinen Platz; ein deduktives Argument ist entweder gültig oder ungültig.
- Der Inhalt des Schlusses ist in den Prämissen/Sätzen nicht bereits offen und explizit.
- Das durch den Schluss gewonnene Wissen besteht lediglich in dessen Enthüllung und Offenlegung im Schluss.
- Die Enthüllung von Wissen beruht auf einem gültigen deduktiven Argument.
- Die Inferenz bzw. der Schluss in einem deduktiven Argument besitzt auch die Fähigkeit, Neues zu lehren.
- Neben der formalen Logik finden deduktive Ergebnisse in Arithmetik und Geometrie weite Anwendung.
- In einer anderen Ausdrucksweise, wenn Sätze Lehrsätze = Theoreme genannt werden,
Grundsätze = Axiome die Prinzipien sind,
Forderungen = Postulate die Erfordernisse.Axiome und Postulate sind die Prämissen und die Theoreme sind Konklusionen.
Die Beweismethode besteht darin, dass die Theoreme gemäß bestimmten Schlussregeln gewonnen werden.
Zweifellos ermöglicht die Anwendung dieser Methode, Dinge zu lernen, die zuvor nicht offengelegt und nicht explizit waren.
Die Ansicht von G. Ferge (Frege) lautet, dass arithmetische Wahrheiten oder Realitäten deduktiv gewonnen werden können und das menschliche Wissen zu vermehren vermögen.