Die Embryologie des Qur’an ist kein Plagiat

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Die Embryologie des Qur’an ist kein Plagiat

Wissenschaftliche und Forschungsquelle: Hamza Tzortzis (1)
Freie Übersetzung und Kommentierung: Abdul Basir Sohaib Siddiqi
Veröffentlichungsdatum: 30.11.2025

Teil Eins

Seit langer Zeit richten Kritiker der Religion des Islam – insbesondere religionsfeindliche Kreise der modernen Zeit – ihren Fokus auf die Embryologie des Qur’an und verbreiten haltlose, unbegründete Behauptungen, die weit von wissenschaftlichen Maßstäben entfernt sind. Sie behaupten, dass die im Heiligen Qur’an erwähnte Embryologie in Wirklichkeit aus dem medizinischen Wissen des antiken hellenistischen Griechenlands übernommen worden sei.

Um die Haltlosigkeit und Unwahrheit dieser Behauptung aufzuzeigen, ist es notwendig, die Diskussion entlang von drei Achsen zu strukturieren, damit abschließend festgestellt werden kann, dass diese Anschuldigung keinen wissenschaftlichen Wert besitzt und in sich falsch und irrig ist.

Diese drei Achsen sind:

  1. Eine historische Untersuchung dieser Behauptung.
  2. Eine Untersuchung der Embryologie im antiken Griechenland (die Embryologie von Aristoteles und Galen).
  3. Eine Untersuchung der qur’anischen Embryologie sowie der Embryologie auf Grundlage der modernen Wissenschaft.

Wie deutlich wird, behauptet diese falsche Anschuldigung – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart –, dass der Heilige Qur’an seine Beschreibungen der Entwicklungsstadien des menschlichen Embryos aus dem antiken hellenistischen Griechenland übernommen habe, was – Gott bewahre – bedeuten würde, dass der Prophet ﷺ diese Vorstellungen aus den Werken von Aristoteles und Galen übernommen habe.

Anhand der oben genannten drei Achsen, die für diese Diskussion erforderlich sind, wird abschließend nachgewiesen, dass diese Behauptung nicht nur jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt, sondern vielmehr eine falsche, unbegründete und irreführende Anschuldigung darstellt.

Es ist daher notwendig, mit der ersten Achse dieser Untersuchung zu beginnen, nämlich mit der historischen Betrachtung des Plagiatsvorwurfs.


Der Plagiatsvorwurf aus historischer Perspektive

Aus historischer Sicht ist für die Bewertung dieser falschen Behauptung vor allem die Frage entscheidend, ob eine direkte und spezifische Verbindung zwischen dem Heiligen Qur’an (und der Gesellschaft, in der er offenbart wurde und in der die prophetische Sendung stattfand) und der antiken griechischen Gesellschaft bestand.

Hypothetische Argumente sowie indirekte oder nicht zusammenhängende Belege können eine solche Behauptung niemals rechtfertigen.

Mit indirekten und nicht zusammenhängenden Belegen ist beispielsweise die Behauptung einiger Historiker gemeint, es habe kulturelle Beziehungen zwischen Griechen, Römern und Arabern gegeben – Beziehungen, die von der Geschichte durchaus bestätigt werden.

Belege für solche Beziehungen, einschließlich kommerzieller Kontakte, können jedoch nicht als Beweis für diese Anschuldigung dienen, da sie indirekt und letztlich nicht relevant sind.

Selbst wenn man diese Behauptung in Form eines syllogistischen Arguments formuliert, kann sie keine gültige Grundlage für die Feststellung der Wahrheit dieser falschen Anschuldigung liefern.

Obersatz: Es bestanden gewisse kulturelle und kommerzielle Beziehungen zwischen Arabern und Griechen.
Untersatz: Der Prophet ﷺ war ein Araber.
Schlussfolgerung: Daher hat ein Plagiat stattgefunden.

Obwohl dieses syllogistische Argument logisch korrekt erscheinen mag, spiegelt es die tatsächliche Realität nicht wider. Tatsächlich kann die Wahrheit genau das Gegenteil sein.

Um den Vorwurf des Plagiats zu stützen, müssten zusätzliche notwendige Bedingungen erfüllt sein – nämlich unterstützende Prämissen, ohne die das syllogistische Argument zusammenbricht. Diese sind:

  1. Der Prophet ﷺ müsste die Embryologie von einem griechischen Arzt erlernt haben.
  2. Die griechische Medizin müsste im frühen 7. Jahrhundert n. Chr. in der arabischen Gesellschaft bekannt und praktiziert worden sein.
  3. Zwischen hellenistischen griechischen Auffassungen und den qur’anischen Beschreibungen müssten wesentliche Ähnlichkeiten bestehen.

Diese drei Aussagen bilden die grundlegenden Annahmen, auf denen das syllogistische Argument beruht. Sind sie zutreffend, könnte das Argument Bestand haben; sind sie falsch, bricht das Argument zusammen.

Ziel ist es daher, diese drei Aussagen historisch zu untersuchen und ihre Unrichtigkeit nachzuweisen, um den Plagiatsvorwurf von Grund auf zu widerlegen.


Hat der Prophet ﷺ griechisches medizinisches Wissen von jemandem erlernt, der in griechischer Medizin ausgebildet war?

Auf Grundlage historischer Untersuchungen ist die einzige Person, die zur Zeit des Propheten ﷺ lebte und mit Medizin in Verbindung gebracht wird, der bekannte arabische Arzt al-Harith ibn Kalada. Er wurde Mitte des 6. Jahrhunderts n. Chr. im Stamm der Banu Thaqif in Ta’if geboren.

Einige Historiker vertreten die Ansicht, al-Harith habe sein medizinisches Wissen an einem wissenschaftlichen Zentrum namens medizinische Akademie von Dschundischapur erworben, wo er angeblich die medizinischen Lehren von Aristoteles und Galen studiert habe.

Diese Historiker argumentieren, dass die Hauptverbindung zwischen islamischer Medizin und griechischer Medizin – insbesondere im Zusammenhang mit der spät-sassanidischen medizinischen Tradition – eher in Dschundischapur als in Alexandria zu suchen sei.

Zur Zeit des Erscheinens des Islam soll Dschundischapur (Gondeschapur) angeblich den Höhepunkt seiner Blüte erreicht haben. Die Stadt galt als wichtigstes medizinisches Zentrum ihrer Zeit und soll eine internationale Synthese griechischer, persischer und indischer medizinischer Praktiken geboten haben.

Diese Synthese habe schließlich die Grundlage für die Entstehung der islamischen Medizin gebildet.

Auf der Grundlage der angenommenen Existenz von Dschundischapur und der behaupteten Ausbildung al-Harith ibn Kaladas an diesem Ort haben einige Historiker behauptet, der Prophet ﷺ habe die aristotelische und galenische Embryologie von al-Harith ibn Kalada erlernt und ihn in dieser Hinsicht konsultiert.

Solche Behauptungen sind jedoch haltlos und stehen im direkten Widerspruch zu unbestreitbaren historischen Fakten, aus folgenden Gründen:

  1. Aus historischer Sicht gibt es auf Grundlage der verfügbaren Berichte keinen direkten oder eindeutigen Beweis dafür, dass der Prophet ﷺ aristotelische oder galenische Embryologie von al-Harith ibn Kalada übernommen hat.
  2. Die Behauptung, al-Harith ibn Kalada habe an einem persischen medizinischen Zentrum in Dschundischapur studiert, wird selbst von mehreren zuverlässigen historischen Quellen in Frage gestellt. So hebt David C. Lindberg in seinem Werk The Beginnings of Western Science den legendären und mythischen Charakter dieser angeblichen Institution hervor.

Lindberg erklärt sinngemäß, dass sich eine einflussreiche Legende über die Tätigkeit nestorianischer Christen in Dschundischapur im Südwesten Irans herausgebildet habe. Diese immer wieder erzählte Geschichte besagt, dass die Nestorianer bis zum 6. Jahrhundert n. Chr. Dschundischapur in ein bedeutendes intellektuelles Zentrum verwandelt und etwas gegründet hätten, das manche enthusiastisch als Universität bezeichnen, an der Unterricht in allen hellenischen Disziplinen möglich gewesen sei.

Es wird behauptet, Dschundischapur habe über eine medizinische Schule mit einem auf alexandrinischen Lehrbüchern basierenden Lehrplan sowie über ein nach byzantinischem Vorbild gestaltetes Krankenhaus verfügt, das die Region mit in griechischer Medizin ausgebildeten Ärzten versorgt habe.

Vor allem wird Dschundischapur oft als zentraler Ort für die Übersetzung griechischen Wissens in nahöstliche Sprachen dargestellt und als Hauptkanal bezeichnet, durch den griechische Wissenschaft zu den Arabern gelangt sei.

Neuere Forschungen zeigen jedoch eine weit weniger dramatische Realität: Es gibt keinen überzeugenden Beweis für die Existenz einer medizinischen Schule oder eines Krankenhauses in Dschundischapur, auch wenn möglicherweise eine theologische Schule und vielleicht eine kleine Klinik existierten.

Zweifellos war Dschundischapur ein Ort ernsthafter intellektueller Bemühungen und in gewissem Maße auch medizinischer Praxis. Ab dem frühen 8. Jahrhundert stellte es eine Reihe von Ärzten für den abbasidischen Hof in Bagdad. Es ist jedoch fraglich, ob es jemals ein bedeutendes Zentrum für medizinische Ausbildung oder Übersetzungstätigkeit war. Obwohl die Geschichte von Dschundischapur in ihren Details unzuverlässig ist, bleibt die Lehre, die man aus ihr ziehen wollte, dennoch bedeutsam.

Roy Porter stellt in seinem Buch The Greatest Benefit to Mankind: A Medical History of Humanity die Frage, ob in Dschundischapur tatsächlich eine medizinische Schule existierte:

„Dschundischapur war sicherlich ein Treffpunkt arabischer, griechischer, syrischer und jüdischer Intellektueller, doch gibt es keinen Beweis für die Existenz einer medizinischen Akademie dort. Erst im frühen 9. Jahrhundert nahm die arabisch-islamische Medizin Gestalt an.“

Nach Plinio Prioreschi, Arzt und akademischer Medizinhistoriker, gibt es keinerlei Beweise für die Existenz einer bedeutenden medizinischen Schule im 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. In seinem Werk A History of Medicine erklärt er, dass es keine zuverlässige persische Quelle gebe, die eine herausragende Rolle Dschundischapurs in der Medizingeschichte belege.

Bemerkenswert ist auch, dass Dschundischapur zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert offenbar keine identifizierbaren Studenten hervorgebracht hat, deren Existenz historisch belegt werden könnte. Dies wirft eine wichtige Frage auf: Wie kann eine derart berühmte und angesehene antike Institution keine bekannten Absolventen haben?

Historiker wie Manfred Ullmann und Franz Rosenthal äußern Zweifel an Berichten über al-Harith ibn Kalada und beschreiben ihn als eine halb-legendäre Gestalt mit literarischen Bezügen, die an fiktive Figuren erinnern. Professor Gerald Hawting schreibt in seinem Aufsatz The Biography of al-Harith ibn Kalada and the Relationship between Medicine and Islam:

„In späteren Quellen sind die Informationen über al-Harith ibn Kalada verstreut. Hinweise auf seinen Beruf als Arzt sind inkonsistent und oft beiläufig, und es scheint nur wenige konkrete Informationen über die Art seiner medizinischen Praxis oder die Einzelheiten seines Lebens zu geben.“

Unzuverlässige und nicht eindeutige historische Berichte über den medizinischen Beruf al-Harith ibn Kaladas entkräften das Argument, der Prophet ﷺ habe medizinisches Wissen von einem Arzt des 7. Jahrhunderts kopiert oder plagiiert.

Einige historische Berichte deuten darauf hin, dass al-Harith ibn Kalada den Islam annahm und als Gefährte des Propheten ﷺ galt. William Brice schreibt in An Historical Atlas of Islam:

„Er trat zum Islam über und erlangte den Status eines Gefährten des Propheten.“

Abu Bakr Asadullah, Lehrer und Romanautor, äußert eine ähnliche Ansicht:

„Nach nahezu allen traditionellen Quellen war der erste bekannte arabische Arzt, al-Harith ibn Kalada, ein Absolvent von Dschundischapur, ein zum Islam übergetretener Jude und ein Zeitgenosse des Propheten Muhammad ﷺ.“

Sollte al-Harith ibn Kalada tatsächlich den Islam angenommen haben, erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass der Prophet ﷺ von ihm plagiiert hätte. Es ist unvernünftig anzunehmen, dass ein ausgebildeter Arzt den Islam annehmen und dem Propheten ﷺ folgen würde, wenn er glaubte, dieser würde seine embryologischen Kenntnisse kopieren. Dennoch ist anzumerken, dass Unsicherheit darüber besteht, ob al-Harith ibn Kalada tatsächlich zum Islam konvertierte, und dass die entsprechenden Berichte nicht vollständig zuverlässig sind.

Selbst wenn feststünde, dass al-Harith ibn Kalada nicht konvertierte, hätte ein angebliches Plagiat einen öffentlichen Aufruhr ausgelöst, und die arabischen Polytheisten hätten dies genutzt, um den prophetischen Anspruch des Propheten ﷺ zu widerlegen. Ein solches Argument findet sich jedoch nirgends in den überlieferten Einwänden seiner Gegner.

Traditionelle historische und erzählerische Quellen, die al-Harith ibn Kalada erwähnen, liefern auch Informationen über den Propheten ﷺ, einschließlich seiner Wunder und der außergewöhnlichen Eloquenz des Qur’an. Eine dieser Quellen ist Tarikh al-Rusul wa al-Muluk, die die Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit des Propheten hervorhebt. Wird diese Quelle als zuverlässig in Bezug auf al-Harith ibn Kalada akzeptiert, so muss sie ebenso in Bezug auf die unangefochtene Integrität des Propheten akzeptiert werden. Die Anerkennung dieser Quellen bedeutet daher die Anerkennung der Wahrhaftigkeit des Propheten ﷺ und die Zurückweisung jeglicher Anschuldigung von Plagiat oder geistigem Diebstahl.

Al-Harith ibn Kalada stammte aus Ta’if, einer Stadt, die den Islam erst im achten Jahr nach der Hidschra annahm. Erst in dieser Zeit wird er in islamischen historischen Quellen erstmals als Arzt erwähnt. Folglich ist es unmöglich zu behaupten, der Prophet ﷺ habe al-Harith ibn Kaladas Ansichten über die menschliche Embryonalentwicklung übernommen, da Sure 23 des Qur’an und ihre embryologischen Verse bereits vor einem möglichen Treffen zwischen dem Propheten ﷺ und al-Harith ibn Kalada offenbart worden waren.

Historiker bezweifeln zudem eine substanzielle Verbindung zwischen al-Harith ibn Kalada und der hellenistischen Tradition. Gerald Hawting erklärt, dass Historiker und Biographen aufgrund des intellektuellen Narrativs des sogenannten Goldenen Zeitalters Verbindungen zu etablierten Institutionen wie Dschundischapur suchten, um den Islam mit zeitgenössischer Wissenschaft in Beziehung zu setzen.

Selbst wenn man historische Berichte über al-Harith ibn Kaladas Rolle als Arzt als zutreffend annehmen würde, wirft seine medizinische Praxis ernsthafte Zweifel daran auf, ob er jemals griechische Medizin erlernte oder übernahm.

Historische Berichte beschreiben seinen medizinischen Ansatz als volkstümlich und beduinisch geprägt. Als er beispielsweise Saʿd ibn Abi Waqqas behandelte, bestand das von ihm verschriebene Heilmittel aus einem Getränk aus Datteln, Getreide und Fett. Diese Behandlung spiegelt eher die dem Propheten ﷺ zugeschriebenen medizinischen Praktiken wider als die griechische Medizin.

Angesichts der vorstehenden Ausführungen bleibt die Frage, ob al-Harith ibn Kalada direkten Kontakt mit galenischen oder aristotelischen Auffassungen zur Embryonalentwicklung hatte, ungelöst und unklar. Daher entbehrt die Annahme eines Plagiats über al-Harith ibn Kalada jeglicher Glaubwürdigkeit. Zudem sind die historischen Berichte über ihn widersprüchlich, spekulativ, fragwürdig und nicht belastbar. Ihn als glaubwürdige Verbindung zwischen dem Propheten ﷺ und der griechischen Medizin zu verwenden, ist daher unbegründet.


War hellenistische griechische Medizin im frühen 7. Jahrhundert in der arabischen Gesellschaft bekannt, akzeptiert und praktiziert?

Einige Historiker behaupten, dass die griechische Embryologie im frühen 7. Jahrhundert in der arabischen Gesellschaft weit verbreitet gewesen sei. Diese Ansicht stützt sich auf die Existenz kultureller Kontakte zwischen Griechen, Römern und Arabern. Auch wenn solche Kontakte tatsächlich bestanden und bis vor den Islam zurückreichen, folgt daraus nicht logisch, dass diese Kontakte griechische embryologische Theorien einschlossen oder dass griechische Medizin in der Region weit verbreitet praktiziert wurde.

Die folgenden Punkte zeigen eindeutig, dass griechische Embryologie weder durch griechisch-arabische Kulturaustausche übertragen noch erlernt wurde:

Der Prophet ﷺ konnte griechisches embryologisches Wissen nicht aus schriftlichen Werken erlangen.

Die ersten systematischen und umfassenden Übersetzungen griechischer embryologischer Werke ins Arabische begannen mindestens 150 Jahre nach dem Tod des Propheten ﷺ. Roy Porter schreibt:

„Erst im frühen 9. Jahrhundert nahm die arabisch-islamische Medizin Gestalt an.“

Er erläutert, dass die erste Phase dieser Wiederbelebung in einer großen Übersetzungsbewegung lag, die während der Herrschaft von Harun ar-Raschid entstand und unter al-Ma’mun an Dynamik gewann. Diese Bewegung wurde durch günstige sozioökonomische Bedingungen, den Bedarf von Muslimen und Christen an medizinischem Wissen in arabischer Sprache sowie durch den Zugang zu entsprechenden wissenschaftlichen Ressourcen angetrieben.

Während dieses „Zeitalters der Übersetzungen“ war die Gründung von Bayt al-Hikmah (Haus der Weisheit) in Bagdad im Jahr 832 n. Chr. von großer Bedeutung. Bagdad wurde zu einem Zentrum, in dem Gelehrte Texte sammelten und eine Vielzahl nichtislamischer Werke ins Arabische übersetzten.

Die Übersetzungsarbeit wurde zunächst von Christen dominiert, da sie über unbestreitbare Kenntnisse des Griechischen und Syrischen verfügten. Die zentrale Figur war Hunayn ibn Ishaq (gest. 873 n. Chr.), ein nestorianischer Christ aus al-Hira, der zusammen mit seinen Schülern 129 Werke Galens ins Arabische (und andere ins Syrische) übersetzte und der arabischen Welt mehr galenische Texte zugänglich machte, als heute im griechischen Original erhalten sind.

Nach Donald Campbell erfolgte die erste mögliche Übersetzung griechischer Medizin ins Arabische mindestens fünfzig Jahre nach dem Tod des Propheten ﷺ durch den syrisch-jüdischen Gelehrten Maserjawaihi.

Auch syrische und lateinische Übersetzungen des 6. Jahrhunderts bieten keinen gangbaren Übertragungsweg, da der Prophet ﷺ weder Syrisch noch Latein beherrschte und es keinerlei Belege dafür gibt, dass er mit jemandem in Kontakt stand, der in griechischer Medizin ausgebildet war.

Historiker sind sich einig, dass es keine Hinweise auf den Erwerb griechischen medizinischen Wissens vor dem 8. Jahrhundert gibt und dass die Araber griechische Werke erstmals über doppelte Übersetzungen – vom Griechischen ins Syrische und vom Syrischen ins Arabische – kennenlernten.

John Meyendorff hebt dies in seinem Aufsatz Byzantine Views of Islam hervor und stellt fest, dass bis zum Ende der umayyadischen Periode syrische oder koptische Christen die wichtigsten Vermittler waren, durch die Araber erstmals mit Aristoteles, Platon, Galen, Hippokrates und Plotin in Berührung kamen.

Angesichts der Tatsache, dass die ersten arabischen Übersetzungen griechischer Medizin Jahrzehnte nach dem Tod des Propheten erschienen, ist die Annahme, er habe Zugang zu syrischen Übersetzungen gehabt, unbegründet.

Darüber hinaus existiert weder eine mündliche noch eine schriftliche Überlieferung, die darauf hindeutet, dass griechische Embryologie Teil des allgemeinen Wissens der Araber im 7. Jahrhundert war. Wäre dies der Fall gewesen, hätten die Gegner des Propheten ﷺ dies angeführt – doch ein solcher Einwand findet sich in keiner ihrer zahlreichen Kritiken.


Der Charakter des Propheten ﷺ und der Vorwurf der Lüge

Zuverlässige historische Quellen über das Leben des Propheten Muhammad ﷺ betonen seine Ehrlichkeit und Integrität. Er war bekannt als as-Sadiq (der Wahrhaftige) und al-Amin (der Vertrauenswürdige). Die Annahme, er habe griechische Embryologie plagiiert, während er den Qur’an als göttliche Offenbarung verkündete, ist unvorstellbar, da dies bewusste Täuschung voraussetzen würde.

Selbst seine Feinde erkannten seine Vertrauenswürdigkeit an. Lügner lügen in der Regel aus weltlichem Eigennutz, doch der Prophet ﷺ ertrug immense Leiden für seine Botschaft und wies Angebote von Reichtum und Macht zurück. Er wurde verfolgt, zur Auswanderung aus seiner geliebten Stadt Mekka gezwungen, litt Hunger und wurde körperlich misshandelt – seine Füße wurden verwundet und bluteten –, während seine Gefährten gefoltert wurden.

Diese psychologischen und historischen Tatsachen belegen eindeutig seine Aufrichtigkeit. Ihn der Lüge zu bezichtigen ist eine Ungerechtigkeit, die in klarem Widerspruch zu den historischen Fakten steht. W. Montgomery Watt schreibt in Muhammad at Mecca:

„Seine Bereitschaft, Verfolgung um seiner Überzeugungen willen zu ertragen, der hohe moralische Charakter der Männer, die an ihn glaubten und ihn als Führer bewunderten, sowie die Größe seiner letztendlichen Leistung – all dies zeugt von seiner grundlegenden Aufrichtigkeit. Muhammad als Betrüger anzusehen, schafft mehr Probleme, als es löst.“

Gerade diese Aufrichtigkeit war ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Propheten ﷺ auf politischer wie auch auf religiöser Ebene. Ohne seine Integrität hätte er in so kurzer Zeit keinen derartigen Erfolg erzielen können. Edward Gibbon und Simon Ockley stellen in The History of the Saracen Empire fest:

„Der größte Erfolg im Leben Muhammads wurde durch reine moralische Kraft erreicht.“

Referenz:

  1. https://www.hamzatzortzis.com/did-the-prophet-muhammad-plagiarise-hellenic-embryology/

Abdul Basir Sohaib Siddiqi