Freiheit (eine Form des menschlichen Seins)

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Freiheit

Autor: Abdul Basir Sohaib Siddiqi
Neu veröffentlicht am: 08.11.2025
Übersetzung: Tahleel Team


Hinweis:

Dieser Artikel ist eine überarbeitete Version meines alten literarisch-philosophischen Essays, den ich vor etwa 30 Jahren verfasst habe. Nach langem Suchen konnte ich die Hälfte des Textes durch meinen geschätzten Bruder, den engagierten Rechts- und Friedensaktivisten Sadiq Mansur Ansari, wiederfinden. Die andere Hälfte, die verloren gegangen war, habe ich aus meinem Gedächtnis in neuer sprachlicher Form, aber mit demselben Inhalt, rekonstruiert. Nun präsentiere ich sie jenen, die Interesse an tiefem Denken und Analyse haben.


Der Ruf der Freiheit

O Freiheit, wo ist dein Land, wo ist dein Zuhause?
Wo ist jene Stadt, in der du wie eine strahlende Kerze leuchtest — wo deine Wärme die Gefangenen in den kalten Kerkern der Unterdrückung erreicht?
Wo du dich gegen die Fesseln der Sklaverei erhebst und mit deinen kräftigen Händen die dunklen Vorhänge der Gefangenschaft zerreißt?

In welchen goldenen Seiten der Menschheitsgeschichte ist dein Name verzeichnet?
Welches Bild ist von dir geblieben?
Sind deine Hände, die mit dem Blut der Unterdrückung befleckt wurden, heute noch ebenso gefärbt?
Welche Nation liebt dich?
Über welches Land herrschst du?
Welchen Teil der Welt nennst du dein Reich?

O Freiheit! Sobald ich versuche, dich zu benennen oder in Worte zu fassen, entweichst du — du zeigst dein schönes Gesicht nicht.
Denn dich zu definieren heißt, dich zu begrenzen, und Begrenzung ist dein Tod.
Wenn man dich festlegt, wird man dich unweigerlich mit den Stricken der Definition am Galgen der Sprache aufhängen.


Das Reich der Freiheit und ihre Feinde

Dein Reich ist dort, wo die Gefangenschaft besiegt wird — wo Ketten nicht wieder aufstehen können.
Doch wenn du versäumst, die Sklaverei zu unterdrücken, steht deine eigene Existenz auf dem Spiel.
So wird dein Überlebenskampf paradoxerweise zu deiner eigenen Tragödie.

In der kommunistischen Philosophie gibt es keine Spur von dir.
Inmitten des Klassenkampfes zwischen Produktionsmitteln und Produktionsverhältnissen tragen die Diener der historischen Notwendigkeit deinen blutüberströmten Körper auf den Friedhof — dort, wo der freie Wille des Menschen begraben liegt.
Deine Liebenden stehen weinend und zitternd an deinem Grab.

Doch der Kommunismus belässt es nicht dabei.
Er errichtet hohe Mauern der historischen Zwangsläufigkeit um deine Freunde — um den berauschenden Ruf der Freiheit zu ersticken.
Und ob du als Idee oder als Bewegung auftrittst, deine Anhänger werden im Namen des „Gesetzes der Geschichte“ getötet.
So wird mit deinem warmen Blut und dem deiner Gefährten die dunkelste und finsterste Philosophie vollendet.

Aus Hegels Schatten ziehen Philosophen ihre blutigen Schwerter und greifen dich an.
Auch in den verführerischen Lächeln jener, die Körper und Würde verkaufen und die moralischen Fesseln der Lustlosen brechen, wird dein Todesurteil gefällt.

Im Kampf ums Überleben, wo die Starken die Schwachen erdrücken, ringst du erneut mit dem Tod.
Du stirbst auf dem Tisch des Armen, in den Märkten der Gier und des Wuchers, du wirst mit den Seilen der Korruption erhängt.
Man findet dein Grab auch in den Strukturen der Unwissenheit und der häuslichen Gewalt, wo täglich menschliche Würde erstickt wird.


Freiheit durch die Zeiten

In der Antike sah selbst der Philosoph Platon dich als Hindernis auf dem Weg zu seiner Stadt der Tugend.
Er träumte von einer Utopie, die auf deiner Beseitigung beruhte — einer Stadt, die im Glanz der Unterwerfung leuchtete, nicht in dem der Freiheit.

Als der Prophet Yahya (Johannes der Täufer) auf Verlangen einer verführerischen Tänzerin enthauptet wurde, sah ich dein Blut hervorströmen.
Du warst es, die unter das Schwert des Henkers ging.
Auf die blutgetränkten Seiten der Geschichte schriebst du in großen, roten Buchstaben: „Freiheit, Freiheit!“

Später, in der Zeit des Propheten Isa (Jesus, Friede sei mit ihm), erschallte deine Stimme erneut über die Erde.
Sie ließ die Fundamente der Unterdrückung erbeben.
Doch die Übeltäter verengten den Raum deiner Existenz, bis du nicht mehr atmen konntest.
Mit der Erhebung Isas (Friede sei mit ihm) in den Himmel endete eine Ära der Freiheit, und die Hände der Unterdrücker versiegelten sie mit Grausamkeit.


Die spirituelle Bedeutung der Freiheit

O Freiheit, mein Herz sehnt sich nach dir!
Wenn ich die Geschichte lese, sehe ich dich in jeder Epoche — denn die Geschichte ist die größte Schule, und wie mein Herr sprach: „Bei der Zeit!“
Du bist die Natur jedes edlen und rechtschaffenen Menschen.
Im Kampf zwischen Wahrheit und Falschheit warst du immer die Stimme der Gerechten.

Du hast dich in der Geduld der Propheten gezeigt — als Krone der Moral, die durch die Botschaft des Propheten Muhammad ﷺ auf das Haupt der Menschheit gesetzt wurde.
Diese Krone ist nichts anderes als die menschliche Würde.

Deine Farbe ist rot — das Blut der Märtyrer fließt in dir.
Denn in ihnen lebt dein Geist.
Der Märtyrer verkörpert deine drei Dimensionen — Glauben, Moral und Gerechtigkeit — die Säulen einer friedlichen Gesellschaft.
Wenn der Märtyrer die menschliche Würde verteidigt, verteidigt er die Freiheit selbst.


Freiheit im Islam

Ja, Freiheit — ich höre deine sanfte Stimme.
Deinen beruhigenden, wohlklingenden Ton.
Ich hörte sie aus den Seiten der Geschichte, als du vor Umar ibn al-Khattab (RA) standest, den der Prophet ﷺ als „Schloss der Versuchung“ bezeichnete.
Du nahmst das Schwert in die Hand und sagtest:

„Wenn du dich vom Recht abwendest, werde ich dich mit diesem Schwert geradebiegen.“

O Freiheit, du hast dich im Verlauf der islamischen Geschichte in drei Formen gezeigt:

  1. Im Glauben an den Tauhīd (Einheit Gottes) erstrahlt deine Schönheit — denn er befreit den Menschen aus der Anbetung anderer Menschen.
  2. Im moralischen und rechtlichen Bereich, wo Ethik die Handlungen begrenzt, erscheinst du als Hüterin der menschlichen Ehre.
  3. In der Welt der Liebe und Zuneigung, jenseits von Befehl und Verbot, offenbarst du dich in der Schönheit, Kreativität und Vielfalt des Lebens.

So kommen wir deiner wahren Bedeutung näher.


Freiheit zwischen Wahl und Schicksal

Der Mensch steht zwischen zwei Realitäten — Freiheit und Zwang.
Wahre menschliche Freiheit muss daher in zwei Dimensionen verstanden werden:

  1. Die natürliche (schöpfungsbezogene) Dimension
  2. Die moralische und rechtliche Dimension

In der Schöpfung folgt das menschliche Leben den Naturgesetzen — hier hat der Mensch keine Wahl.
Er kann kein Stickstoff atmen statt Sauerstoff, nicht wie ein Fisch in den Tiefen des Meeres leben oder physiologisch wie ein Vogel fliegen.

Doch innerhalb dieser Grenzen hat Gott dem Menschen Fähigkeiten und Möglichkeiten gegeben, um frei zu handeln, zu schaffen und zu gestalten.
Und in der moralischen und rechtlichen Sphäre werden diese Fähigkeiten durch Ethik und göttliches Gesetz geleitet.
Hier liegt das Gleichgewicht — die Freiheit, die durch moralische Verantwortung bestimmt ist.

Freiheit ohne Moral führt ins Chaos.
Darum wird in der menschlichen Gesellschaft absolute Freiheit zu positiver Freiheit — einer Freiheit, die auf moralischen Prinzipien und der Bewahrung der menschlichen Würde beruht.


🕊️ Übersetzung von Tahleel Team

Abdul Basir Sohaib Siddiqi